13.05. Heute geht die dritte Woche der Land Rover G4 Challenge 2006 zu Ende – und es war eine ereignisreiche Woche. Heraus aus den üppigen Wäldern und der stickigen Hitze von Laos ging es in die karge Landschaft und dünne Höhenluft Boliviens. Vom Ausgangspunkt am Flughafen Santa Cruz in lediglich 400 Metern über dem Meeresspiegel arbeiteten sich die Teilnehmer bis zum Ende der Etappe auf fast 3.000 Höhenmeter vor. Dabei war es aber nicht allein die Höhe, die stetig zunahm.
"Der Leistungsdruck steigt mit jeder Etappe", sagte Martin Dreyer aus Südafrika. "Man kommt abends ins Camp zurück und erfährt, wie sich die anderen Teams geschlagen haben. Dann setzt man natürlich alles daran, weiter mitzuhalten und vergisst darüber manchmal, in welch atemberaubender Umgebung man sich gerade befindet."
Der Start der Etappe erfolgte in Rio de Janeiro, wo am weißen Strand der Copacabana die Teampartner neu bestimmt wurden. Wenn es je eine Teamauswahl gab, die für die Führenden über Erfolg oder Scheitern bei der Challenge hätte entscheiden können, dann diese.
Bedrohliche Gewitterwolken hingen über dem Zuckerhut als die Auswahl begann. Die Brasilianerin Eleonora Audra durfte als erste wählen und unter den Anfeuerungsrufen ihrer Landsleute benannte sie Martin Dreyer aus Südafrika, einer der stärksten Teilnehmer der Challenge in diesem Jahr. "Ich wusste, Martin und ich würden ein gutes Team abgeben", sagte Eleonora. "Wir hatten schon auf dem Weg von Bangkok hierher darüber gesprochen."
Sehr schnell wurde deutlich, dass die beiden die richtige Entscheidung getroffen hatten, denn beim Auftaktwettbewerb konnten sie unter begeisterten "Brazil, Brazil"-Rufen den Sieg erringen. Ihnen dicht auf den Fersen war das Team Australien / Griechenland, in dem Eleonoras vorige Teampartnerin Alina McMaster kämpfte.
Im Laufe der folgenden Woche stellte sich heraus, dass die neue Teamzusammenstellung für einige der Führenden das große Los gewesen war, während andere auf Etappe 3 größere Rückstände hinnehmen mussten. Zu den Gewinnern zählte Dmitry Timokhin aus Russland, der in der zweiten Etappe das gelbe Trikot getragen hatte. Er wurde ins Team des Türken Tolga Senefe bestellt, der ihm nicht nur ebenbürtig war, sondern ihn auch zu noch höheren Leistungen pushte.
Die andere Seite der Medaille erlebte der Spanier Gabriel Maldonado, der von Victor Huang aus Taiwan ausgewählt wurde. Sprachschwierigkeiten und unterschiedliche Leistungsniveaus trennten die beiden, doch sie kämpften unermüdlich um Punkte und bauten eine gute Partnerschaft auf. Am Anfang der Woche verletzte Victor sich bei einem Sturz vom Pferd dann auch noch das Bein, was die Leistung des Team zusätzlich einschränkte.
Was die Führenden angeht, war diese Woche sicherlich dazu bestimmt, die Spreu vom Weizen zu trennen. "Ein gutes Ergebnis aus den ersten beiden Etappen könnte für die Teams eine solide Basis sein", so Event Direktor Niki Davies, "aber die dritte Etappe entscheidet wirklich darüber, ob sie für das Zeug haben, ins Ziel zu kommen oder ob sie untergehen."
Besonders zutreffend war dies für den Franzosen Jean-Baptiste Calais, der bereits zu Beginn der Challenge zu den führenden Teilnehmern gehörte. "Ich wurde von Claribett Vega aus Brasilien gewählt", berichtete er. "Sie ist sehr stark und ihr Englisch ist perfekt, daher klappte die Kommunikation sehr gut. Sie hat mir geholfen, meine Position im vorderen Feld zu halten, und ich hoffe, dass ich am Ende der Woche unter den letzten vier sein werde."
Die "letzten vier", das heißt nur die vier bestplatzierten Teilnehmer dürfen im Finale der Challenge antreten. Ihre Punkte werden in Zeitkonten umgerechnet, was bedeutet, dass der Führende zuerst starten darf, die zweit-, dritt- und viertplazierten Teilnehmer dann entsprechend ihres Rückstands in Sekunden. Der Sieger des Abschlusswettbewerbs gewinnt die Land Rover G4 Challenge 2006 und erhält als Preis einen nagelneuen Range Rover. Der Einzug ins Finale aber scheint für einige nach anfänglichem Optimismus nun doch in weite Ferne zu rücken.
"Ich weiß, dass ich realistisch gesehen keine Chance mehr habe", meinte Tolga Senefe, Teilnehmer aus der Türkei. "Das heißt aber nicht, dass ich die Challenge aufgegeben habe. Ich werde alles geben, um meinen Teampartner ins Finale zu bringen. Die Hauptsache ist aber, dass wir Spaß haben."
Auf der Santa Rosa-Brücke im Gebirge Boliviens wurde schließlich der letzte Wettbewerb der dritten Etappe ausgetragen. Umgeben von Bergen, die wie natürlich geformte Kathedralen anmuten, mussten die Teilnehmer sich am Seil gesichert von der Brücke schwingen und sich dann mithilfe von Steigklemmen wieder nach oben hangeln. Danach arbeiteten sie sich mit Mountainbike, Kajak und zu Fuß bis zur Ziellinie vor.
"Die Aktion mit der Brücke war verrückt", kommentierte Jean-Baptiste Calais. "Ich mag Seilklettern eigentlich gern, aber einfach so rückwärts ins Ungewissen zu springen war schon wahnsinnig. Ich habe es gemacht, weil es Teil der Aufgabe war, aber freiwillig würde ich das nicht noch einmal machen!" Obwohl ihm der Sprung von der Brücke so gar nicht gefiel, beendete Jean-Baptiste diesen anspruchsvollen Wettbewerb auf dem zweiten Platz.
Platz drei ging an den Briten Brian Reynolds, der extrem hart für dieses Ergebnis gekämpft hatte. "Oh ja, ich bin sehr glücklich über das Ergebnis", sagte er noch ganz außer Atem. "Ich war gestern extrem müde, habe es aber irgendwie geschafft, noch mal alle Kräfte zu mobilisieren. Ich hoffe sehr, dass ich es diese Woche in die Top Ten schaffen kann."
Der Mann der Stunde aber war an diesem Tag der Russe Dmitry Tomkhin. "Alles was mit Seilen oder Klettern zu tun hat, ist genau mein Ding. Der Sprung von der Brücke und das Jümarn haben mir den Vorsprung verschafft, den ich brauchte." Dmitry konnte seinen Vorsprung beibehalten und schlug am Ende wenn auch knapp den Franzosen Jean-Baptiste.
Mit dem spektakulären Wettstreit an der Santa Rosa-Brücke ging die härteste und körperlich anspruchsvollste Etappe der Land Rover G4 Challenge 2006 zu Ende. Heute Abend folgt in Sucre die Verkündung des Punktestands.
"Die Ergebnisse sind sehr wichtig, denn sie werden mit ausschlaggebend für die letzte Teampartner-Wahl in der kommenden Woche sein", sagte Jean-Baptiste Calais. "Sobald ich weiß, wer mein nächster Partner ist, werde ich auch wissen, ob ich eine Chance auf das Finale habe oder nicht."
Nicht alle Teilnehmer sehen es auf diese Weise. "Für mich macht es keinen Unterschied", meinte Dmitry Timokhin. "Ich werde alles geben, egal wer letztendlich mein Partner ist." Vielleicht ist es auch seine Einstellung, die Dmitry so weit nach vorn gebracht hat und ihm vielleicht sogar zum Einzug ins Finale verhelfen wird.
Ranking nach der 3. Etappe:
- Dmitry Timokhin – Russia – Yellow Jersey
- Martin Dreyer – South Africa
- Kris Janssens – Belgium
- Jean-Baptiste Calais – France
- Eleonora Audra – Brazil
- Alina McMaster – Australia
- Brian Reynolds – UK
- Tolga Senefe – Turkey
- Gabriel Maldonado – Spain
- Thijs Maartense – Netherlands
- Pablo Burratini – Argentina
- Takashi Sugiyama – Japan
- Gary Robertson – Ireland
- Claribett Vega – Costa Rica
- Michael Tsaoutos – Greece
- Robert Schweiger – Germany
- Marco Martinuzzi – Italy
- Victor Huang – Taiwan
Quelle Text und Fotos: G4-Challenge Pressroom